DAS GEHEIMNIS 130 x 180 cm
NEUaufnahmen
Ausstellung der GEDOK Berlin
Eröffnungsrede 4. August 2011
Kuratorin / Kunsthistorikerin
Kirstin Nordhausen © (Textauszug)
Ann Besier findet in Märchen, Mythen und Geschichten, u. a. in den Erzählungen „Alice hinter den Spiegeln“ von Lewis Caroll, Motive für ihre fabelhaften Welten. Bewußt werden bekannte Muster und Ordnungen der realen Welt verschoben und dem Betrachter in traumgleichen Visionen, Botschaften übermittelt, die er – emotional berührt – in sich einlassen und deuten kann.
Tierdarstellungen wie Hase, Affe, Reh und Hirsch misst die Künstlerin neben menschlichen Gestalten großen Raum bei. Figuren mit Tierkopf und menschlichem Körper oder Habitus bilden eine Einheit; die Natur hat beides hervorgebracht. In besonderen Schutzräumen, Refugien, wie in „Das Geheimnis“ führen die Tiere, der Realität enthoben, ein paradiesisches Dasein. Die Darstellung macht deutlich, in welcher schutzwürdigen Situation, von Missbrauch und Tötung, Ausrottung und Aussterben bedroht, sich die Tiere befinden. Dem reinen Nutzen, den die Tiere uns verschaffen, setzt Ann Besier die Seele, das Bewusstsein der lebendigen Wesen gegenüber, denen der Mensch respektvoll und mit Achtung begegnen soll. Landschaften aus abstrakten und strukturierten Mustern, die manch modische Nuance vergangener Jahrzehnte aufweisen, sind ineinander verschachtelt und bewegen sich in rhythmischen Abfolgen dreidimensional oder flächig auf unterschiedlichen Ebenen. Wasserfälle, Laubwälder, Felsen und Lichtungen wechseln miteinander ab.
Märchenhaft erzählende Details sind in einer klaren Bildersprache mit Pop Art und Comic Elementen unterlegt, kraftvoll und farbig gemalt, und teilweise in Prunk- und Pomprahmen gefasst. Witzig-humorvolle bis grotesk angelegte Figuren voll Energie wie „Monsieur TouTou bleibt unerschütterlich gelassen“ des gleichnamigen Bildes oder die symbolträchtige numerische Reihe der mit Ritualgeld oder Praliné-Goldpapier hinterlegten Bilder wie „2 x 6 der Wahrscheinlichkeit“ lenken den Betrachter auf sich selbst zurück, hinter den Spiegel, und ermöglichen ihm, eine Spur des Geheimnisvollen, Rätselhaften dieser Welt mitzunehmen. Die Verwendung von Hintergrundgold greift traditionelle Gestaltungselemente des frühen Mittelalters auf, wie beispielsweise auf byzantinischen Ikonen, ohne deren inhaltliche Thematik zu übernehmen. Es begegnen uns Allegorien zu Wertesystemen sowie Ursymbole unserer Welterfahrung. Mythen und Märchen, Symbole und Allegorien verschmelzen zu neuen Bildmotiven und Bildschöpfungen bei Ann Besier.