TÄTER - OPFER - RETTER Ausstellungsansicht 2011 ©Carolin Koch
TÄTER
ES ZÄHLT NUR DIESER AUGENBLICK
OPFER
DIE ZEIT SCHEINT STILL ZU STEHEN
RETTER
DIESER MOMENT VERÄNDERT ALLES
KONZEPT
Die Reihe „Täter – Opfer – Retter“ bildet einen scheinbar geschlossenen Kreislauf. Zeitliche Prägungen zu Vergangenheit und Gegenwart werden aufgehoben. Vergangenes wurde vielfach verdrängt oder vergessen, Zukünftiges existiert nur in der Vorstellung. Unabhängig von der Novität einzelner Epochen ist diese Konstellation stets für Handlungsinhalte und deren Folgen ausschlaggebend.
Täter, Opfer und Retter finden sich im privaten Bereich, im politischen Weltgeschehen und sie fungieren subtil im Alltagsgeschehen, um nur einige Beispiele zu nennen. Der Retter trägt die heldenhafte Attitüde in sich. Er, wie auch Opfer und Täter sind in der Lage Situationen fortzuführen, als auch den Standpunkt zu wechseln und somit die Zukunft zu bestimmen. Es handelt sich um ein Vexierspiel mit hoher Raffinesse.
Der barocke Bildhintergrund, die halbrunde Einrahmung durch Seidenblumen, entliehen aus der Darstellung von Heiligen im Mittelalter, unterstreicht die Konvertierbarkeit des Zeitrahmens. Die Erhebung der portraitierten Protagonisten in den Stand der Erhabenen verweist im weltlichen Spiegel auf eine Analogie zwischen Tier und Mensch. Auf die Verletzlichkeit der dezentralisierten Haltung. Welches der dargestellten Wesen nun eigentlich welche Rolle einnimmt und warum, ist der eigenen Reflexion überlassen. Die Titelgebung ist deshalb nicht festgelegt und steht in Abhängigkeit zu dem / der Betrachter / in.
In dieser dreiteiligen Serie bilden Kampfläufer der Gattung Schnepfenvögel das Sujet meiner Arbeit. Zugvögel, die in ganz Europa bis nach Russland hin beheimatet sind. In der Fachwelt sind Kampfläufer für ihr Arena-Kampfverhalten in der Balzphase bekannt. Ihren königlich anmutenden Kopfputz legen die Männchen nach der Balz ab. Danach sind sie nicht mehr von ihren Weibchen zu unterscheiden. Ihr Verhalten entwirrt sich in einem handlungsstarken Sein. Eine Parabel formiert sich. Indem alle Handlungsträger die gleiche Stellung einnehmen, gibt es keine separaten Rollenzuschreibungen, keine Opfer – keine Täter – keine Retter mehr. Im Bewusstsein der Erinnerung öffnet sich ein neuer Raum.
Ann Besier © 2011