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                                                               Designcenter Winkelhaak Antwerpen, Belgien
Designcenter Winkelhaak Antwerpen, Belgien

Die Malerei gibt mir das Gefühl, nach einer

langen Suche endlich angekommen zu sein.

 

Interview auf Creative City Berlin 2016

 

 

 

GEHAG FORUM

 

Ann Besier untersucht Rollenverhalten und Rollenzuschreibungen in märchenhaften Zusammenhängen ebenso wie sie die romantische Illusion spielerisch bildhaft thematisiert. Das alles auf einem Niveau, auf dem das Wunder sich auch tatsächlich ästhetisch ereignet – traumhaft farbig bis an die Kitschgrenze, detailreich, humorvoll bis zur Benutzung von Wachstuch und Geschirrhandtüchern als Maluntergrund, phantasieanregend, verführerisch, hintersinnig, oftmals kunsthistorisch kenntnisreich geerdet, mit Lichtgestalten und Tieren, die die Künstlerin in ihren Bildern heiligspricht.

 

Ann Besier ist eine begnadete Zeichnerin und eine Malerin, die mit ihren Bildern wohl wirklich imstande ist, den bösen Blick abzuwenden mit der Produktion visueller Glückserfahrungen.

 

GEHAG Forum Berlin © Christoph Tannert I Leiter Künstlerhaus Bethanien

 

 

MYTHOS NATUR

 

Tierdarstellungen wie Hase, Affe, Reh und Hirsch misst die Künstlerin Ann Besier neben menschlichen Gestalten großen Raum bei. Figuren mit Tierkopf und menschlichem Körper oder Habitus bilden eine Einheit; die Natur hat beides hervorgebracht. In besonderen Schutzräumen, Refugien führen die Tiere, der Realität enthoben, ein paradiesisches Dasein. Die Darstellungen machen deutlich, in welch schutzwürdigen Situationen, von Missbrauch und Tötung, Ausrottung und Aussterben bedroht, sich die Tiere befinden. Dem reinen Nutzen, den die Tiere uns verschaffen, setzt Ann Besier die Seele, das Bewusstsein der lebendigen Wesen gegenüber, denen der Mensch respektvoll und mit Achtung begegnen soll.

 

Märchenhaft erzählende Details sind in einer klaren Bildersprache mit Pop Art und Comic-Elementen unterlegt, kraftvoll und farbig gemalt, und teilweise in Prunk- und Pomprahmen gefasst. Witzig-humorvolle bis grotesk angelegte Figuren voll Energie,  lenken den Betrachter auf sich selbst zurück, hinter den Spiegel, und ermöglichen ihm, eine Spur des Geheimnisvollen, Rätselhaften dieser Welt mitzunehmen. Die Verwendung von Hintergrundgold greift traditionelle Gestaltungselemente des frühen Mittelalters auf, wie beispielsweise auf byzantinischen Ikonen, ohne deren inhaltliche Thematik zu übernehmen. Es begegnen uns Allegorien zu Wert- systemen sowie Ursymbole unserer Welterfahrung. Mythen und Märchen, Symbole und Allegorien verschmelzen zu neuen Bildmotiven und Bildschöpfungen bei Ann Besier.

 

MYTHOS NATUR Verborgenes Museum Berlin © Kirstin Nordhausen Kunsthistorikerin M.A. Berlin

 

 

ARTISTDOCK

 

Ann Besier´s produktive Karriere wird durch das Prinzip der Sammlung angetrieben. Barock und exzentrisch sind ihre Arbeiten mit Farben und Texturen gefüllt, bevölkert von mythologischen und surrealen Kreaturen. Sie benutzt unterschiedliche Materialien von Leinwand, Geschirrhandtüchern bis Wachstuch, verwendet Stempel, Blattgold, Seidenblumen u.a. und erschafft dadurch ihre ganz eigene Realität, in welcher Träume und Assoziationen freie Gestalt annehmen. In ihren zeitlosen Gemälden koexistieren Ironie und Heiligtum, durchdringen einander, erstaunliche Kompositionen entstehen.

 

Ann Besier's prolific career is driven by the principle of collection. Baroque and eccentric, her works are filled with colours and textures, and populated by mythological and surreal creatures. She's using a different range of materials from canvas to waxed cloth, postmarks, gold leaves, dish towels, in order to build up her own reality, in which dreams and associations freely take form. In her timeless paintings old and new, as well as irony and sacredness, coexist and permeate each other, creating an astonishing mixture.

 

© Serena Rota Kunsthistorikerin I Art Historian I Milano I Berlin

 

 

MEMORY & PROJECTION

 

Ann Besiers work wants to amplify the astonishment of the spectator by creating compositions or settings that generate tranquil poetic images that leave traces and balances on the edge of recognition and alienation.

 

Her works are often classified as part of the new romantic movement because of the desire for the local in the unfolding globalized world. However, this reference is not intentional, as this kind of art is part of the collective memory. By emphasising aesthetics, she absorbs the tradition of remembrance art into daily practice. This personal follow-up and revival of a past tradition is important as an act of meditation.

 

Her paintings appear as dreamlike images in which fiction and reality meet, well known tropes merge, meanings shift, past and present fuse. Time and memory always play a key role. By referencing romanticism, black humour and symbolism, she creates work through intensive processes which can be seen explicitly as a personal ritual. They are inspired by a nineteenth-century tradition of works, in which an ideal of ‘Fulfilled Absence’ was seen as the pinnacle.

 

Her collected, altered and own works are being confronted as aesthetically resilient, thematically interrelated material for memory and projection.

 

© Knut Farlander Artpartisan Berlin 2017